Den MD-Termin entspannt vorbereiten.
Der Termin mit dem Medizinischen Dienst verunsichert viele Menschen. Der Besuch entscheidet über die Einstufung in einen Pflegegrad. Mit guter Vorbereitung verläuft er deutlich entspannter, und der Alltag mit seinen tatsächlichen Herausforderungen lässt sich klar und nachvollziehbar darstellen.
Was ist der MD-Termin überhaupt? (früher MDK)
Wenn Sie oder ein Angehöriger einen Pflegegrad beantragt haben, meldet sich der Medizinische Dienst (MD, früher MDK): bei Privatversicherten Medicproof: zu einem Hausbesuch an. In diesem 60–90-minütigen Gespräch wird festgestellt, wie selbstständig die zu pflegende Person im Alltag ist und wo sie Unterstützung braucht. Daraus ergibt sich die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade.
Bewertet werden sechs Lebensbereiche (Module des Begutachtungsassessments):
Aufstehen, Umsetzen, Treppensteigen, sich in der Wohnung bewegen.
Orientierung, Gedächtnis, Gespräche führen, Entscheidungen treffen.
Unruhe, Aggressivität, nächtliche Auffälligkeiten, Ängste.
Körperpflege, Ernährung, Ausscheidung, An-/Auskleiden.
Medikamente, Arzttermine, Verbandswechsel, medizinische Hilfen.
Tagesstruktur, Kontakte, Freizeit, außer Haus gehen.
Das Modul „Selbstversorgung“ hat bei der Gesamtbewertung den größten Anteil. Beschreiben Sie hier möglichst konkret, welche Unterstützung im Alltag tatsächlich anfällt. Nichts beschönigen, nichts aufbauschen.
So lässt sich der Termin ruhig und sicher angehen.
Vor dem Termin: drei Schritte
Das ist der wichtigste Baustein. Ein Pflegetagebuch zeigt schwarz auf weiß, welche Hilfen
täglich anfallen, wie viel Zeit sie kosten und zu welcher Tageszeit. So bekommt der
Gutachter ein Bild vom realen Alltag und nicht nur einen Ausschnitt aus 90 Minuten.
Gerne stellen wir Ihnen unsere Vorlage kostenlos zur Verfügung:
Zum Pflegetagebuch (Druckvorlage & PDF)
Legen Sie zum Termin auf einem Stapel bereit:
- Aktueller Medikamentenplan (vom Hausarzt)
- Aktuelle Arztbriefe sowie relevante ältere Befunde
- Krankenhaus-Entlassungsbriefe & ggf. pflegerischer Entlassbrief
- Facharzt-Befunde (Neurologie, Kardiologie, Orthopädie …)
- Übersicht über Hilfsmittel (Rollator, Pflegebett, Hausnotruf)
- Lichtbildausweis der pflegebedürftigen Person
Mindestens eine Person, die den Alltag gut kennt, sollte beim Termin dabei sein. Sie kann ergänzen, was die pflegebedürftige Person vergisst oder aus Scham nicht von sich aus anspricht. Inkontinenz, Verwirrtheit, nächtliche Unruhe, Sturzgefahr, Stimmungsschwankungen. Das sind keine Details, sondern pflegerelevante Fakten.
Mit diesen drei Schritten sind Sie gut auf den Termin vorbereitet.
Am Termin selbst: was hilft
Es geht bei der Begutachtung nicht darum, „das Beste herauszuholen“, sondern darum, dass der Gutachter ein ehrliches und vollständiges Bild vom tatsächlichen Alltag bekommt. Diese Hinweise helfen Ihnen, den Termin möglichst entspannt zu gestalten:
- Den ganz normalen Alltag schildern: nicht den besten Tag und nicht den schlechtesten. Viele Betroffene geben sich beim Termin unbewusst Mühe, „stark“ zu wirken. Das ist menschlich. Hilfreich ist es, den durchschnittlichen Tag zu beschreiben.
- Bei schwierigen Themen offen sprechen: Inkontinenz, Gedächtnislücken, Stürze, Unsicherheit, Schmerzen. Das sind keine peinlichen Details, sondern Informationen, die der Gutachter für seine Einschätzung braucht.
- Das Zuhause so lassen, wie es ist: ohne extra Aufräumen oder Kaffeevorbereitung. Ein Haushalt im Alltagszustand gibt dem Gutachter ein realistisches Bild.
- Pflegetagebuch übergeben oder gemeinsam durchgehen: das nimmt viel Stress aus dem Gespräch und liefert konkrete Beispiele.
- Rückfragen stellen: wenn etwas unklar ist, einfach nachfragen. Die Gutachter erklären in der Regel gerne.
- Hilfsmittel zeigen: Rollator, Pflegebett, Badewannenlifter usw. Das macht den Alltag greifbar.
Was beim Termin oft schwerfällt
Dieses Gespräch ist ungewohnt. Für den Betroffenen und für die Angehörigen. Diese vier Situationen tauchen häufig auf. Vielleicht helfen unsere Gedanken dazu:
Gerade Menschen, die ihr Leben lang selbstständig waren, spielen ihre Schwierigkeiten oft herunter. Und auch Angehörige, die „sich schon irgendwie durchschlagen“. Das ist verständlich. Für den Gutachter ist es aber wichtig zu wissen, welche Hilfe im Alltag wirklich anfällt. Auch die selbstverständlich gewordene.
Besprechen Sie vorher gemeinsam, dass Offenheit beim Termin kein Verrat ist, sondern die Grundlage dafür, dass der Betroffene die Unterstützung bekommt, die er braucht. Der Gutachter behandelt alle Informationen vertraulich.
Ohne Pflegetagebuch hat der Gutachter nur die Beobachtung während seines Besuchs. Auch eine einzige Woche Dokumentation macht das Bild deutlich vollständiger. Wenn der Termin schon näher rückt, lohnt es sich trotzdem noch, anzufangen.
Wenn möglich, sollte eine zweite Person dabei sein. Vier Ohren hören mehr, zwei Stimmen ergänzen sich, und gerade bei kognitiven Einschränkungen ist eine Begleitung entlastend für den Betroffenen.
Nach dem Termin
Die Pflegekasse hat 25 Arbeitstage Zeit, Ihnen den Bescheid zu schicken. Bei palliativer Versorgung oder bevorstehender stationärer Aufnahme geht es deutlich schneller.
Wenn der Bescheid kommt, nehmen Sie sich Zeit, ihn in Ruhe zu lesen. Das ausführliche Gutachten können Sie bei der Pflegekasse anfordern. Gerade dann, wenn die Einstufung nicht zu Ihrem Alltagserleben passt. Es zeigt nachvollziehbar, welche Punkte in welchem Modul vergeben wurden.
Sollte die Einstufung nicht zu Ihrer tatsächlichen Situation passen, können Sie innerhalb von einem Monat nach Erhalt des Bescheids Widerspruch einlegen: formlos, am besten schriftlich. Sorgfältig geführte Tagebuch-Einträge sind dabei eine wichtige Grundlage. Gerne beraten wir Sie dazu und unterstützen Sie bei der Begründung. Mehr dazu auch im FAQ-Eintrag „Was tun, wenn mein Antrag abgelehnt wurde?“
Hilfreiche Ressourcen
Gerne unterstützen wir Sie bei der Vorbereitung auf den Termin
Auf Wunsch kommen wir vor dem Begutachtungstermin zu einem Vorbereitungsgespräch zu Ihnen nach Hause, oder wir besprechen alles telefonisch. Wir beantworten Ihre Fragen, gehen gemeinsam das Pflegetagebuch durch und erklären, wie so ein Begutachtungstermin in der Regel abläuft. Kostenlos und unverbindlich. Oft hilft ein kurzes Gespräch mehr als langes Suchen im Internet.